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Verhalten

Erscheinungsdatum: Juli 2004

Coco - mein "Retter in der Not"
von Marion Rudolph

Seit über 25 Jahren leben wir mit Tieren unter einem Dach. Als sich vor 4 Jahren unsere lieben Hunde von uns verabschiedeten, erfüllten wir uns einen schon lange gehegten Wunsch: Ein Graupapagei sollte in unsere Familie kommen. Ihr gesamtes Erscheinungsbild, ihre Intelligenz und ihr Verhalten faszinierten uns und so kam vor 4 Jahren ein handaufgezogener Graupapagei mit dem Namen „Coco“ zu uns.

Im Laufe der nächsten 4 Jahre entstand eine sehr enge Bindung zwischen ihm und mir und vor ca. 2 Jahren geschah etwas, was wir nicht gleich zuordnen konnten und was erst nach einigen anderen, ähnlich gleichen Vorfällen meine Aufmerksamkeit darauf lenkte.

Damit man meinen weiteren Schilderungen besser folgen kann, muss ich etwas ausholen.

Ich bin seit 34 Jahren insulinpflichtige Diabetikerin und trage eine Insulinpumpe. Durch diese Insulinpumpe ist es mir möglich, meinen Stoffwechsel optimal einzustellen. Über die 34 Jahre hin hat mein Körper aber fast verlernt, mir immer und auch rechtzeitig Warnsignale (z. B. Schweißausbrüche, Angstgefühl, Zittern, Sehstörungen, Benommenheit) zu senden, die es mir ermöglichen, bei einem anstehenden Zuckerschock noch schnell zu reagieren, z. B. durch die Einnahme von Traubenzucker, der schnell in die Blutbahn gelangt und den Blutzuckerspiegel rasch wieder ansteigen lässt. Ein gesunder Mensch hat einen Blutzucker von 80 – 120 mg/dl. Wenn ich in einen Unterzucker (Schock) gerate, liegen meine Werte bei 20 – 35 mg/dl und tiefer. In diesem Bereich wird es für mich sehr kritisch und ohne sofortige Einnahme von Traubenzucker falle ich bei einem weiter sinkenden Blutzucker in eine Bewusstlosigkeit mit schweren Krämpfen. So viel zum besseren Verständnis und nun weiter zu Coco.

   

Ich grüße euch!

Guck mal, wie sportlich ich bin

   

Man sagt ja Tieren schon über viele Jahre hin einen „sechsten Sinn“ in bezug auf Wahrnehmungen nach. Können Tiere wirklich spüren, wenn mit „ihren Menschen“ etwas nicht in Ordnung ist?

Viel wurde darüber schon geschrieben, gesprochen, diskutiert. Dass Hunde und Katzen sehr sensibel auf ihre Menschen reagieren können, ist hinlänglich bekannt und ich selbst konnte das jahrelang an unseren beiden Hunden beobachten. Unterzuckerungen veranlassten sie, mich mit ihrer Schnauze so lange zu stupsen, bis ich mich erhob, oder sie zerrten an meiner Hose oder an meinen Hausschuhen, bis ich entweder meinen Zucker durch eine Messung kontrollierte oder gleich Traubenzucker nahm, und erst dann gaben meine Hunde ihr „eigenartiges Verhalten“ auf.

Dass aber nicht nur unsere Hunde diese Fähigkeiten besaßen, sondern dass dieses Phänomen durch das intensive Zusammenleben mit unserem Coco auch bei ihm zutreffen sollte, wurde mir erst in den darauffolgenden zwei Jahren ziemlich klar und ich musste begreifen lernen, dass auch unser Coco dieses feine Gespür für Gefahren bei „seinem Menschen“ hat.

Wie ich am Anfang schon erwähnte, habe ich einen sehr engen und liebevollen Kontakt zu meinem Grauen und auch er ist sehr sanft. Angriffs- oder Beißattacken kenne ich von ihm nicht, obwohl ich mit seinem Schnabel auch schon 3 bzw. 4 x Bekanntschaft gemacht hatte, aber das war immer dann, wenn wir zusammen gespielt hatten und es dabei oft ganz schön stürmisch zuging. Bei solchen Spielereien kam es schon mal dazu, dass er meinen Finger etwas zu kräftig in die Mangel nahm, aber woher sollte Coco auch wissen, dass mein Finger nicht so hart wie sein Schnabel ist?

Am 9. Juli 2002, dieser Tag hat sich mir in das Gedächtnis eingebrannt und er sollte mir unvergesslich bleiben, geschah etwas, was sich im Laufe der nächsten zwei Jahre immer wiederholen sollte.

   

Es war ein gewöhnlicher Tag mit ganz normalen Abläufen. Alle anfallenden Arbeiten im Haushalt waren erledigt und Coco lauerte darauf, dass ich Zeit für ihn hätte. Aufgeregt tippelte er in seinem Käfig hin und her und beobachtete mich, immer in der Hoffnung, dass ich nun doch bald seine Käfigtüre öffne.

Endlich war die Zeit da, Coco flog erst einmal ein paar Runden durch die Wohnung und kam dann ganz außer Atem auf meine Schulter geflogen. Der nächste Weg führte uns in die Küche, wo am Wasserhahn erst einmal der Durst gestillt wurde. Dann ging es auf Erkundungstour. Nichts war vor ihm sicher, nur das von mir laute „Nein“ hielt ihn davon ab, Möbel oder Stuhllehnen mit seiner ihm eigenen Art zu kennzeichnen.

   

Gleich hab ich es geschafft...

Huch!

   

Frühsport - Klimmzüge stärken die Kondition

Nun läute ich mal die Frühstückspause ein

   

Nachdem er seinen Spieltrieb ausgelebt hatte, war es wohl für ihn Zeit, Gefiederpflege zu betreiben. Er flog auf die Rückenlehne der Couch, ich setzte mich zu ihm und beobachtete ihn beim Ordnen seines Gefieders, was ich ganz schön durcheinander gebracht hatte. So verging die Zeit und eigentlich wäre alles wie immer gewesen, wenn, ja wenn da nicht Coco auf einmal einen langen Hals machte, mich beäugte und mir plötzlich auf die Schulter hopste und mich in die Nase zwickte. Ich schimpfte ihn mit einem lauten „Nein“ aus und war schon sehr verwundert über ihn, weil ich dieses Verhalten so von Coco nicht kannte. Coco ließ sich aber nicht beirren und wieder kniff er mich, dieses Mal erst in das Ohr und dann in den Nasenflügel. Ich war sauer, wie man so schön sagt, und wollte Coco in seinen Käfig stecken. Beim Aufstehen bemerkte ich aber, dass mir ganz schwindelig war und ich Mühe hatte, die wenigen Schritte bis zum Käfig zu laufen. Während ich taumelnd zum Käfig ging, flog Coco von meiner Schulter weg, kam sofort zurück und kniff mir abermals in mein Ohr.

Irgendwie bekam ich Coco zu greifen und steckte ihn in seinen Käfig. Da das Schwindelgefühl immer noch bei mir vorherrschte, überprüfte ich meinen Blutzucker und mit Erschrecken musste ich feststellen, mein Blutzucker lag nur noch bei 30 mg/dl.

Wäre ich von Coco auf der Couch nicht attackiert worden, hätte ich das Schwindelgefühl nicht mitbekommen und binnen weniger Minuten wäre ich in einen schlafähnlichen Ruhezustand gefallen, der dann in kürzester Zeit in einer schweren Bewusstlosigkeit geendet hätte. So aber, dank Coco, konnte ich noch rechtzeitig Traubenzucker zu mir nehmen und innerhalb von 10 Minuten war ich wieder völlig in Ordnung.

Ein weiteres Erlebnis ließ mich jedoch dann sehr hellhörig werden. Es war ca. 3 Wochen später. An einem Vormittag hatten wir unser Schlafzimmer ausgeräumt, um es renovieren zu können. Da man ja nicht jeden Tag ein Zimmer komplett ausräumt, war ich ganz schön geschafft. Ich legte mich gegen 14.00 Uhr auf die Couch und Coco krabbelte zu mir auf die Schulter, zog seine Füßchen ein und kuschelte sich an meine rechte Gesichtshälfte eng an.

Von leisen, eigenartigen Pfiffen wurde ich gegen 14.55 Uhr munter und kaum hatte ich diese Pfiffe registriert, spürte ich Cocos Schnabel an meinem Ohr – „AU“, tief holte ich Luft, doch ich kam nicht zu einem lauten „NEIN"-Ruf, Coco zwickte mich zum zweiten Male in das Ohr. Dieses Mal versuchte ich erst gar nicht, Coco in den Käfig zu stecken, ich lief mit ihm zu meinem „eisernen Vorrat“ und nahm Traubenzucker zu mir, ohne erst den Blutzucker zu messen. Nachdem ich 3 Stck. Traubenzucker genommen hatte, kontrollierte ich 20 Minuten später meinen Blutzucker. Auch dieses Mal konnte ich es nicht fassen, obwohl ich schon Traubenzucker zu mir genommen hatte und mein Zucker nach der Einnahme des Traubenzuckers auf alle Fälle schon gestiegen war, zeigte mein Blutzuckermessgerät immer noch einen Wert von 29 mg/dl an, d. h. mein Blutzucker musste zum Zeitpunkt des Kneifens von Coco noch weit unter der gefährlichen Grenze von 29 mg/dl gelegen haben.

Ich nahm Coco in meine Hände und knuddelte ihn, so dankbar war ich unserem Grauen für seine Hilfe und er ließ mich auch gewähren, so, als würde er meine Erleichterung spüren.

Dieses Ereignis zeigt aber gleichzeitig auch, dass Coco sogar zwischen einer gesunden Schlafsituation, in der er mich hat ruhen lassen, und einer kritischen Schlafsituation unterscheiden kann, denn anders kann ich mir nicht erklären, warum er mit mir zusammen ca. 45 - 55 Minuten tatsächlich erst einmal geschlafen hatte, bis mein Zucker wieder anfing abzusinken und Coco wieder in Aktion treten musste.

Diese zwei Ereignisse sind nur ein Bruchteil von dem, was ich in den letzten beiden Jahren mit Coco gemeinsam erlebt und durchlebt habe. Unzählige Male hat mir Coco seitdem in ähnlichen Situationen geholfen, durch Zwickattacken noch rechtzeitig einem schweren Unterzuckerungsschock zu entgehen.

Coco ist für mich so etwas Ähnliches wie ein „Blindenhund“ für Blinde geworden und ich werde ihm auf ewig dankbar sein. Sein Feingefühl und seine Beobachtungsgabe haben dazu beigetragen, dass ich gefährlichen schweren Unterzuckerungen mit Bewusstlosigkeit noch rechtzeitig entgegenwirken konnte.

Wie das tierische Frühwarnsystem genau funktioniert, soll jetzt eine Studie klären, die das Deutsche Diabetes-Forschungsinstitut zusammen mit einer Tierarztpraxis durchführt.

Ein Bericht über den „sechsten Sinn von Tieren“ erschien auch im Mai 2003 im Apothekenheft „DIABETIKER“, wo Coco sich von seiner fotogenen Seite zeigen durfte und auch ein kleiner Artikel "Coco zwickt in Nase und Ohren" über ihn geschrieben wurde.

   

- Ein Leben ohne Tiere ist ein verlorenes Leben -

   

Nach getaner Arbeit...

...gönnt man sich doch gern einen guten Tropfen!
Die Wahl ist getroffen, nun darf die 'Bedienung' einschenken.

Hmm, sie hat das Glas da unten angefasst, ob ich das auch mal probiere? Nee, das geht ja nicht, bin doch kein Mensch!

Soo trinkt ein guter Papagei - mmmh, lecker!

   

Ich könnt wetten, Frauchen hat heimlich den Wein gegen Saft ausgetauscht....

 


 


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